zurück zur Übersicht
METHODEN IM FOKUS: CO-CREATION
01/02/13 | Ireen Weise

Im Beitrag „Von Interviews, Fokusgruppen und Co-Creation - Welche Methode ist die Richtige?“  wurde der Begriff der „Co-Creation“ von den Methoden „qualitative Interviews“ und „Fokusgruppendiskussion“ abgegrenzt. Im heutigen Beitrag steht die „Co-Creation“ als Methode im Mittelpunkt.


Definition und Einsatzgebiet

Die Methode der Co-Creation (auch Codesign, Participatory Design, Generative Method genannt) basiert auf der Annahme einer gleichberechtigten Partnerschaft zwischen Anwender und Unternehmen für die Dauer eines Projektes oder einer Produktentwicklung. Der Anwender wird bei dieser Methode weniger als „Informant“ sondern vielmehr als „aktiver Mitarbeiter“ betrachtet.

Bei anderen Methoden wie z.B. qualitativen Interviews oder Fokusgruppendiskussionen sind die Ausdrucksmöglichkeiten der Teilnehmer durch die von ihnen verwendete Sprache und ihren persönlichen Bezugsrahmen begrenzt. Ziel der Co-Creation ist es, einen Rahmen zu schaffen, in dem normalerweise nicht beobachtbare und verbalisierbare Aspekte auftreten können. Der Schwerpunkt der Co-Creation liegt im gemeinsamen und interaktiven Aushandeln und Schaffen von etwas Neuem.

Vorgehen und Varianten

Für eine erfolgreiche Co-Creation-Session spielen folgende Aspekte eine große Rolle:

Rekrutierung - Die Rekrutierung der richtigen Teilnehmer ist auch bei dieser Methode für ihren Erfolg ausschlaggebend. Alle Teilnehmer müssen ein großes Interesse für das Thema und die entsprechende Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit mitbringen. Die Teilnehmer sollten entsprechend vorher über die besonderen Anforderungen der Methode informiert werden. Eine repräsentative Auswahl der Teilnehmer ist gegebenenfalls nicht möglich, daher sollten erarbeitete Ideen und Konzepte durch weitere Methoden validiert werden.

Räumlichkeiten - Das „Tun“ steht bei der Co-Creation im Mittelpunkt: Aufstehen, Herumgehen, mit den Händen etwas erarbeiten – das sind Dinge, die besonders gefördert werden sollten. Entsprechend groß und offen sollten die Räumlichkeiten angelegt sein. Ausreichende Flächen zum Ankleben von Post-Its, Aufhängen von (Zwischen-) Ergebnissen und zum Skizzieren von Ideen sind erforderlich. Zusätzlich ist es ideal, wenn auch die Arbeit in verschiedenen Kleingruppen durch die Räumlichkeiten unterstützt wird und es ausreichend Fläche zum Ausbreiten von Materialien (Papier, Stifte, Leim, Bilder, Fotos, Karton etc.) gibt.

Aufgabenstellung - Eine große Herausforderung ist die Formulierung einer geeigneten Aufgabenstellung für die Teilnehmer: eine zu offene Fragestellung verunsichert, eine zu enge Aufgabenstellung lässt zu wenig Raum für Kreativität. Eine Möglichkeit ist es, eine relativ offene Aufgabenstellung durch Wörter oder Bilder einzugrenzen, die verwendet werden sollen, oder eine Struktur vorzugeben (z.B. Personas, Szenarien), die ausgefüllt werden soll. Eine typische Aufgabenstellung könnte sein, eine Collage mit individuellen Erfahrungen in der Nutzung eines aktuellen oder zukünftigen Produktes zu erstellen.

Ablauf - Für eine erfolgreiche Co-Creation-Session ist es unabdingbar, dass die Teilnehmer sich wohl fühlen, Vertrauen zu den anderen Teilnehmern und Selbstvertrauen aufbauen können. Eine angemessene Zeitspanne zum „Aufwärmen“ ist dabei ebenso wichtig wie abwechslungsreiche Übungen, die nicht überfordern und Spaß machen. Ein roter Faden und der Zweck der einzelnen Aufgaben muss jederzeit erkennbar sein, damit die Co-Creation aus Sicht der Teilnehmer nicht ins „Lächerliche“ abdriftet.

Wem das Risiko für eine reine Co-Creation-Session zu hoch erscheint, der kann diese Methode zunächst als einzelne, kreative Aufgabe im Rahmen einer Fokusgruppendiskussion einsetzen. Diese Variante hat den Vorteil, dass durch die Einbettung in die Diskussion auf jeden Fall für die Fragestellung relevante Ergebnisse erhoben werden können und, selbst wenn bei der Co-Creation nichts (Neues) herauskommt, der Termin trotzdem nicht umsonst stattgefunden hat. Sollte sich die Co-Creation als Methode bewähren, kann sie in einer intensiveren Variante bspw. auch über mehrere Termine zu einer (bezogen auf das Projekt) dauerhaften Zusammenarbeit führen.

Best Practices

Nach der Anwendung der Methode der Co-Creation in verschiedenen Projekten lassen sich folgende Erfahrungswerte formulieren:

Eine Möglichkeit bei der Rekrutierung aussagekräftige Teilnehmer zu erwischen, die dann aber nicht repräsentativ sind, ist die Konzentration auf die Extreme (z.B. Lead User, Gegner einer bestimmten Position etc.).

Auch wenn die Richtung, in welche die Aufgabenstellung umgesetzt wird, den Teilnehmern offen steht und keine inhaltliche Moderation erforderlich ist, so ist trotzdem jemand notwendig, der den Stift ergreift und erste Zwischenergebnisse am Whiteboard sammelt. – Natürlich mit dem Ziel, den Stift und damit auch die Initiative schnellstmöglich in die Gruppe zurück zu geben.

Damit die Gruppe konzentriert und aktiv bleibt, sind zudem Zeitvorgaben ein wichtiges Mittel. Diese sollten natürlich vorher wohl überlegt sein.

Die Teilnahme von Kundenvertretern an einer Co-Creation-Session kann für diese sehr aufschlussreich sein. Voraussetzung ist, dass der Kunde sich und seine Ansichten zurücknehmen und die Entwicklungen innerhalb der Co-Creation-Session zunächst einfach zulassen kann.

Bewertung

Die Methode der Co-Creation hat den Vorteil, dass greifbare Ergebnisse in der Sprache der Anwender entwickelt werden. Je nach Aufgabenstellung entsteht visuelles Material, was auch längerfristig als Inspiration für Designer und zur Sicherstellung der Empathie für den Anwender verwendet werden kann. Der Anwender ist aktiver Mitgestalter, nutzerzentrierte Ideen und Innovationen sind möglich.

Der Erfolg einer Co-Creation steht und fällt jedoch mit den rekrutierten Teilnehmern und der zwischen den Teilnehmern entstehenden Gruppendynamik. Zudem ist die Co-Creation nicht in jedem Unternehmen einsetzbar, da eine gewisse Offenheit für solch eine innovative Methode und Wertschätzung für die Ideen der Teilnehmer erforderlich ist.