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WUD 2017 Berlin – Artificial Intelligence Systeme
12/05/17 | Johanna Wenta

Am 9.11.2017 fand weltweit der diesjährige World Usability Day statt. Wir waren am Standort Berlin im Mercure Hotel vor Ort und haben vielseitige Beiträge zum Thema „Artificial Intelligence Systeme“ aufgenommen. Die Veranstaltung war gut besucht und auch dieses Jahr haben wir viele neue Gesichter angetroffen.

Richtungsweisend für das diesjährige Motto waren die rapide voranschreitenden technischen Möglichkeiten im Bereich der künstlichen Intelligenz: Computer und Maschinen nähern sich dem Menschen in ihren Fähigkeiten, ihren Interaktionsmöglichkeiten und ihrem Verhalten immer stärker an. Für uns – als Gestalter wie auch als Nutzer dieser Systeme – ergeben sich daraus viele neue Herausforderungen und Chancen. Was sind die Anforderungen an ein Interface im Zeitalter von künstlicher Intelligenz? Diese zentrale Frage und viele weitere wurden bei der Veranstaltung aufgeworfen und diskutiert.

Die Präsentation von Dr. Dr. Norbert Streitz unter dem Titel „Smart Spaces Make People Smarter“ bildete einen guten und kritischen Einstieg in die gesamte Thematik. Der Sprecher untersuchte futuristische Stadtplanungen, „Smart Cities“ und sensibilisierte dafür, was man im Straßenverkehr, bei der Auslastung von Zügen oder beim Einsatz von autonomen Autos anpassen sollte. Hier betonte er, wie wichtig es ist, dass die Städte von morgen unseren tatsächlichen Ansprüchen gerecht werden. Mit dem Zitat von Cedric Price „Technology is the answer, but what was the question?“ regte er die Zuhörer zum Nachdenken an.

Im Anschluss hielt Rainer Sax einen aufschlussreichen Vortrag „Head in the clouds“ über das Vertrauen zu künstlicher Intelligenz im heutigen Zeitalter und den bisherigen Entwicklungsstufen von AIs: Ursprünglich herrschte bei der Interaktion von Mensch und Maschine „Desktop First“ mit einem Browser Fokus vor. Abgelöst wurde diese mit „Mobile First“ und einem entsprechenden Content Fokus. Die Zukunft sieht der Sprecher bei der Interaktion „Envelope First“ mit einem Vertrauensfokus. Damit gemeint sind die Freiheitsgrade, die wir den Systemen geben wollen. Wichtig ist, dass sich hierbei die Maschinen dem Menschen anpassen sollen und nicht umgekehrt.

Erfrischend anders war der Vortrag von Florian Dohmann „Connecting Intelligences – an Artificial Muse for the enterprise“. Hier wurde eine innovative, künstlerische Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine präsentiert: Die Bilder des Künstlers Roman Lipski wurden in ein spezielles System eingespeist. Mit Hilfe eines ausgefeilten, intelligenten Mechanismus erlernte das System den Malstil des Künstlers. Bei der Hinzunahme von unterschiedlichen Landschaftsbildern hat das Programm die Möglichkeit diese im Stil des Malers immer wieder in einem neuen Kontext zu kombinieren. Das Ergebnis wird dabei an die Leinwand projiziert. Der Künstler zeichnet das Ergebnis nach und ergänzt es um eine eigene Struktur. Auf der Basis der vorgeschlagenen Bilder entwickelt der Künstler auch komplett neue Ideen. Hier dient die Maschine zur Inspiration.

Bei dem Vortrag von Jörg Buxbaum „Automatisierung von Lotsenaufgaben in der Flugsicherung“
wurde verdeutlicht, wie komplex mittlerweile die Anforderungen an den Menschen und die Systeme geworden sind. Hier kann der Mensch die Gesamtsituation ohne Automatismen nicht mehr überblicken. Diese sollen jedoch dem Fluglotsen nicht noch mehr Informationen präsentieren, sondern diese so aufbereitet darstellen, dass der Mensch zu einer besseren Entscheidung befähigt wird.

Fabienne Roche von der technischen Universität Berlin schilderte bei Ihrem Vortrag „Zur Gestaltung von Übernahmeaufforderungen beim hochautomatisierten Fahren“ wie ein Fahrassistenzsystem in Notfallsituationen, in denen der Mensch eingreifen muss, entsprechende Signale optimal an den Mitfahrer senden sollte. Hier hat sich innerhalb der Testphase die Kombination von einem Signalton und Sprache als die beste Lösung herauskristallisiert.

Ole Heydekamp von der Deutschen Telekom AG gab uns mit der Präsentation „Personality and personalization“ spannende Einblicke in die Erstellung von Tonaufnahmen für Softwareprodukte: Es werden von der neuen Berufsgruppe der Voice Interface Designer Chatbots mit vordefiniertem Wording aufbereitet. Je nach Einsatz – z. B. im Service-Bereich oder beim Verkauf - nutzt die Maschine ein angemessenes Wording. Die Nutzer der Deutschen Telekom AG erwarten von der Maschine pragmatische, jedoch wenig emotionale Dialoge.

Immer wieder wurde von den Vortragenden betont, wie wichtig es ist den Menschen im Fokus zu behalten und wie essenziell es ist, Maschinen entsprechend der Zielvorgaben einzusetzen. Auch Faktoren wie Nähe und Distanz zwischen Maschine und Mensch und der Grad der Entscheidung eines Roboters wurden als wichtige Kriterien der AI-Entwicklung genannt.

Die Konferenz brachte viele neue Einsichten und bestätigte das schon Bekannte: Der Mensch ist und soll in der Zukunft der Mittelpunkt der technischen Innovationen bleiben.