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Touch ist nicht Klick - Warum das iPad die Konventionen im Web verändern wird.
Das iPad wird seit wenigen Tagen auch in Deutschland ausgeliefert. Grund genug, um den neuesten Stand zu begutachten: was hat sich in puncto Usability und iPad bewegt? Und wie nimmt das iPad bereits Einfluß auf die Vorstellungen von Nutzerfreundlichkeit?
Erst vor wenigen Wochen wurde unter der Regie von Jakob Nielsen eine Usability-Studie zum iPad veröffentlicht.
Ich greife ein Fazit heraus:
iPad-Nutzer werden sehr wahrscheinlich viel öfter "normal" im Web browsen, also Websites ansteuern, als iPhone-Nutzer. Die sind vorallem auf Apps ausgewichen. Zunächst einmal ist das eine erfreuliche Entwicklung.
Aber auch eine neue Herausforderung. Wenn nämlich Websites mit Touchscreen-Devices angesteuert werden, müssen neue Aspekte (Usability und Technik) beachtet werden. Und das ist anspruchsvoll. Vorallem wenn das Ziel ist, für Mouse- und Touch-Interaktionen zugleich zu optimieren.
An was müssen Interaction-Designer künftig denken:
1) Text klicken ist mit der Mouse ok - mit dem Finger nicht.
Textlinks sind auf Websites heute allgegenwärtig - einfach, platzsparend, gut verständlich. Und mit der Mouse gut zu "treffen". Auf dem iPad gibt es allerdings ziemliche Probleme, einen Textlink mit dem Finger zu erwischen - vorallem, wenn mehrere Links eng beieinander stehen.
2) Mit dem Finger fehlt ein "rollover"
Links, die nicht klar gekennzeichnet sind, konnte man mit der Mouse zumindest zufällig entdecken, weil sich der Mousezeiger beim "Rollover" über interaktive Elemente oder Grafiken ändert, er wird zur Klick-Hand. Diese Interaktion, das "Rollen" fehlt bei der Touch-Interaktion. Wir drücken/berühren gezielt, wischen um zu schieben oder zu ziehen - oder unsere Hand schwebt knapp über dem Touchscreen. Folglich gilt: Links und Buttons müssen für Touchscreens ständig und immer klar gekennzeichnet sein, nicht erst beim "Rollover". Darüberhinaus funktionieren Interfaces, die auf Events wie mouseover (css :hover) aufbauen, auf dem iPad anders als in Desktop-Umgebungen.
3) Konflikte zwischen Interaktionen
Das iPad stellt besondere Interaktionsmöglichkeiten bereit, z.B. das Zoomen mit zwei Fingern. Dazu stellen Websites selbst ähnliche Möglichkeiten zur Verfügung - nur auf ganz anderem Weg (z.B. über einen Klick auf die rechte Mousetaste!). Diese gedoppelten oder teilweise unmöglichen Interaktionen kommen sich jetzt gegenseitig in die Quere. Mit welcher Interaktion ich welches Ziel genau erreiche kann auf dem iPad zu einer verwirrenden Suche ausarten. Hier haben sich noch keine Konventionen etabliert - wir stehen mit dem iPad in etwa da, wo mouse-gesteuerte Interfaces vor mehr als 10 Jahren waren.
4) Flash funktioniert nicht
Wie inzwischen hinreichend von Apple kommuniziert, werden Flash-Elemente (und alle anderen Elemente, die Plug-Ins erfordern) vom iPad/Safari nicht unterstützt. Interessanterweise scheint das momentan die stärkste Motivation für Anbieter von Web-Content zu sein, eine extra iPad-Website/-App zu entwickeln und anzubieten.
Das heißt für die Entwicklung von Interfaces auf dem iPad: Transitions und Animationen, Audio und Video müssen in HTML 5 realisiert werden (können) - oder sie entfallen ganz.
Wird die zunehmende Verbreitung von Tablet-PCs das Webdesign allgemein verändern?
Mit Sicherheit ja!
Zunächst werden wohl die großen Anbieter eigene touch-optimierte Versionen ihrer Web-Contents anbieten. Inhalte müssen dann in drei Dimensionen gedacht und gestaltet werden: für Desktop-Interfaces (vorwiegend mit Mouse-Interaktion), auf mobilen Geräten mit sehr kleinen (Touch-)Oberflächen und auf dem iPad/Tablet-PCs. Ein nicht unerheblicher Aufwand mit unterschiedlichen Anforderungen und technischen Möglichkeiten. Denkbar ist auch, dass sich die Kategorien an Webinhalten weiter ausdifferenzieren.
So ist vorstellbar, dass sich Nachrichten und Unterhaltung stärker an Touchscreen-Devices wie dem iPad orientieren, und Webanwendungen, die das Bearbeiten von Aufgaben unterstützen, an einer Desktop-Umgebung.
Klar ist, dass das was wir heute im Web für selbstverständlich halten, durch Touchscreens wieder ordentlich in Bewegung kommt. Wir bleiben am Ball! :-)
- Usability of iPad Apps and Websites (Nielsen Norman Group)
- Safari Reference Library
- Handling Multi-Touch Events
- Preparing Your Web Content for iPad
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