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Von: Anne Dressler-Benad

21.11.11

Management kreativer, interdisziplinärer Teams. Herausforderungen & Lösungen bei der Kollaboration von Research, Design & Development Teams.

 

 

Der häufigste Grund für das Scheitern von Softwareprojekten ist eine mangelhafte Kommunikation - noch vor schlechter Planung und Vorbereitung, mangelhafter Ressourcenverfügbarkeit, zu optimistischen Annahmen und  unklarer Rollenverteilung.

Aber nicht nur die Kommunikation zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer kann sich als schwierig erweisen. Auch bei der Zusammenarbeit und Kommunikation innerhalb des Projektteams kann es unerwartete Schwierigkeiten geben. Oft scheinen vor allem Designer und Entwickler völlig verschiedene Sprachen zu sprechen. Wenn noch weitere Fach-/Kompetenzbereiche, wie z.B. User Researcher  in das Projekt involviert sind, kann es vorkommen, dass das Projektteam aufgrund interner Probleme nicht die Potentiale ausschöpfen, die die interdisziplinäre Arbeit mit sich bringen kann.

 

VORURTEILE, KLISCHEES UND EIN BISSCHEN WAHRHEIT.

1. User Researcher richten Ihren Fokus ausschließlich auf den Nutzer und wollen dessen Anforderungen um jeden Preis in der Anwendung berücksichtigt haben. "Der Nutzer hat aber gesagt, dass …"

Researcher sind vor allem zu Beginn eines Projektes die Hauptakteure. Sie nehmen in der Analysephase die Anforderungen aller Beteiligten auf. Mit diesem Wissen über Nutzerbedürfnisse, strategische Interessen des Auftraggebers und technische Voraussetzungen haben sie eine ganzheitliche Sicht auf das Projekt. Dabei werden alle Informationen so strukturiert, detailliert aufbereitet und in Form gebracht, dass diese im weiteren Projektverlauf als optimale Arbeitsgrundlage dienen.

 

2. Designer haben die fertige Lösung bereits zu Beginn des Projektes in ihrem Kopf. Davon ist auch nicht abzuweichen. "Ich weiß, was gut für den Nutzer ist. Das wird so gemacht …"

Designer können häufig auf einen gewissen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Dies spart zum einen vor allem Zeit, zum anderen gewährleistet das Nutzen von Design Pattern zu einem gewissen Maße die Korrektheit und Anwendbarkeit einer Lösung. Neben dem Verwenden von "Altbewährtem" sollten Designer relevante Normen und Gestaltungsrichtlinien kennen und mit aktuellen Design Trends vertraut sein.

 

3. Entwickler interessieren sich nicht für Nutzeranforderungen oder Design und programmieren ohnehin nur das, was sie für richtig halten. "Das ist doch alles ganz logisch. Die Nutzer müssen das nur richtig anwenden."

Entwickler haben die Aufgabe, die Konzepte und Designs mit Funktionalität zu füllen bzw. müssen die technische Realisierbarkeit sicherstellen. Sie stehen dabei vor der Herausforderung, die technischen Vorrausetzungen und Anforderungen mit den entwickelten Konzepten unter einen Hut zu bringen.

 

4. Projektmanager wollen das Projekt auf jeden Fall erfolgreich abschließen - mehr oder weniger. "

Hauptsache der Kunde ist zufrieden. Alles andere ist egal."In erster Linie muss ein Projektleiter das Projekt am Laufen halten, auf Kosten, Deadlines, sich ändernde Anforderung und vieles mehr achten. Schließlich ist der Projektleiter auch verantwortlich, wenn es mal nicht läuft. Neben den äußeren Rahmenbedingungen muss er auch alle Beteiligten bei Laune halten, den Kunden, den Chef und möglichst auch das eigene Team.

 

IM TEAM LIEGT DIE KRAFT

Um ein Projekt mit einem interdisziplinären Team erfolgreich zu managen, ist es wichtig, dass Kommunikationsmittel und -wege gefunden werden, die alle Beteiligten sinnvoll unterstützen. Dies kann beispielsweise durch Dokumente oder Hilfsmittel wie Personas erfolgen, die als gemeinsame Arbeitsgrundlage dienen.

Um Informationsbrüche zu vermeiden, ist es aber viel wichtiger, dass möglichst von beginn an interdisziplinär zusammengearbeitet wird und so beispielsweise qualitative Interviews von Researchern und Designern bzw. Developern gemeinsam durchführt werden. Dabei muss sich jeder als Teil des Teams verstehen und bereit sein, sich über seinen eigentlichen Fachbereich hinaus in das Projekt einzubringen, aber auch die Kompetenz den anderen Bereiche zu akzeptieren. Mit anderen Worten, man muss andere Fachbereiche in die eigene Arbeit einbeziehen, Feedback und andere Sichtweisen zulassen, um die Synergieeffekte eines interdisziplinären Teams wirklich nutzen zu können.

Darüber hinaus sollten dabei alle Beteiligten in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Hierbei geht aber in erster Linie nicht um das Mitentscheiden, sonder vielmehr darum Entscheidungen und entsprechende Gründe zu kommunizieren, Bedenken oder Hinweise des Teams anzuhören und zu berücksichtigen. Wenn man weiß warum beispielsweise auf bestimmte Features verzichtet wurde oder eine Information an einer bestimmten Stelle platziert wurde, werden diese Entscheidungen von anderen Fachbereichen nicht in Frage gestellt, diskutiert oder gar übergangen.

Durch enge, fachübergreifende Zusammenarbeit  unterschiedlicher Kompetenzbereiche kann man die Potentiale, die ein interdisziplinäres Team bietet nutzen, um  Projekte effektiv, effizient und erfolgreich abschließen.

 

Kategorie: Interaction Design, User Research, UI Development