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Von: Norma Junge

16.10.10

E-Book Reader - Warum sie Keiner nutzt und wer sie doch braucht

 

Kürzlich lobte Stiftung Warentest  die E-Book Reader.
"Zehn von 15 der untersuchten sogenannten E-Book Reader hätten bei einem Test mit dem Qualitätsurteil "gut" abgeschnitten", berichtet die Stiftung in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift "Test".

Während im Jahr 2008 der Absatz der E-Book Reader in Deutschland noch lahmte, steigerte zu mindestens Amazon 2009 mit dem "Kindle" seinen Umsatz deutlich. Trotzdem scheint das Straßenbild mehr geprägt von iPhone, iPad und ähnlichen Produkten zu sein.

Warum ist also der E-Book Reader immer noch nicht gesellschaftsfähig geworden? Rational gesehen wäre es doch vorteilhafter nur ein schmales Gerät mitnehmen, statt sperrige Bücher, die teilweise jede Handtasche (zu mindestens meine) vor Herausforderungen stellen. Mehrere tausende Titel stehen zudem zur Auswahl und manche Reader, wie das Kindle 3G, sind auch leichter als ein Taschenbuch und nur so groß wie ein Bleistift.

Die einen, nennen wir sie die "haptischen" Kritiker, sagen: "Ein Buch muss sich wie ein Buch anfühlen, riechen, drücken lassen". Ja, vielleicht. Aber heute wischen wir auch über unsere Mobiltelefone anstatt zu tippen.
Dann gibt es noch die "Innovations-"Kritiker. Da heißt es, der E-Book Reader kopiert nur ein (schon perfektes) Produkt anstatt etwas Neues zu schaffen. Vielleicht auch das. Der Schlüssel des Erfolges des Buches liegt jedoch auch in seiner Einfachheit und seiner Zielgruppen.

Alle Innovationen der letzten Zeit waren für eine bestimmte, wenn auch teilweise breitgefächerte Zielgruppe konzipiert. Manchmal gehört man dazu, manchmal aber auch nicht. Das Buch aber gehört allen. Ein Produkt für jeden sozusagen: von Oma bis Kleinkind, für Links- und nach Rechtsleser, für Bildbetrachter, für Sehende und Nichtsehende.

Ein Buch, und damit kommen wir zum zweiten Punkt, ist einfach. Nicht etwas worüber man nachdenken muss. Wo geht es an, wie lang hält der Akku, scheint die Sonne und wie kann ich damit meinen Tisch stabilisieren?
Damit könnte dieser Artikel beendet werden. Ist er aber nicht. Weil das Konzept des E-Book Readers eigentlich mehr bietet. Heute versucht man sich den technischen Neuerungen anzupassen. Man eignet sich neue Interaktions- und Kommunikationstechniken an, um neue Produkte zu bedienen, ändert sein Einkaufsverhalten bis hin zu Anpassung der Sprache. Warum nicht einmal andersrum? Gerade im gerontologischen Bereich bieten sich interessante Möglichkeiten mit dem E-Book Reader. Schriftgrößen können beliebig angepasst und Kontraste verstärkt werden, eine Vorlesefunktion ist auch integriert, um älteren Menschen wieder lesen zu ermöglichen. Die Erschließung von Zielgruppen, die sonst von technischen Innovationen eher ausgeschlossen sind, könnte mehr Chancen für die Entwicklung einer wirklichen Innovation bieten als man heute glaubt.

Nicht, das es sonst irgendwann heißt:

Quelle: Tiny Tales

Kategorie: Interaction Design, Usability, Marketing