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Von: Ireen Weise

12.08.10

Interviewpartner in Schubladen - Eine nicht ganz ernst gemeinte Typologie - Teil 3

 

 

"Der Unwillige", "Die Übereifrige", "Der Kurzangebundene", "Die Schwatzhafte" (siehe Teil 1 dieser Serie), "Der Angeber", "Die Schüchterne", "Der Sachverständige". "Die Ahnungslose" (siehe Teil 2 dieser Serie) sind verschiedene Typen, die Ihnen in einem Interview begegnen können. Der Erfolg des Interviews (und damit vielleicht auch der Erfolg des Projektes) hängt jetzt von Ihnen und Ihrer Fähigkeit ab, sich schnell auf ihr Gegenüber einzustellen. Wie man darin "besser" werden kann, darum soll es sich in diesem Beitrag drehen.

 

Vor dem Interview

 

Überlegen Sie sich vor dem Interview genau, was Ihr Projektziel und Ihre Fragen sind, die Sie in den Interviews beantwortet haben wollen: Wer kann Ihnen diese beantworten? Beschreiben Sie möglichst genau, wer Ihre idealen Interviewpartner sind: Geschlecht, Alter, Position im Unternehmen, Dauer der Unternehmenszugehörigkeit etc. Formulieren Sie daraus einen Vorabfragebogen, einen sogenannten Screener, mit dem Sie selbst/ Ihr Kunde/ Ihr Rekrutierungspartner genau die Interviewpartner finden können, die Sie benötigen.

Achten Sie darauf, dass auch für den Interviewpartner von Beginn an die Rahmendaten des Interviews klar sind: Wie lange wird es dauern? Wo soll es stattfinden? Was ist das Thema und was sind ggf. erste Unterthemen? Was muss der Interviewpartner (nicht) vorbereiten? In welcher Form wird das Gespräch aufgezeichnet? Wie sieht es dabei mit dem Datenschutz aus? Indem Sie bereits vor dem Interview ein entsprechendes Informationsblatt versenden und bei Bedarf für Nachfragen auch telefonisch zur Verfügung stehen, stellen Sie sicher, dass es zu keinen unangenehmen Überraschungen kommt - für den Interviewpartner und für Sie.

Damit Sie im Interview auch mit unvorhergesehenen (oder weniger gern gesehenen) Typen von Interviewpartnern umgehen können, ist ein sorgfältig ausgearbeiteter Interviewleitfaden Pflicht. Ein Interviewleitfaden sammelt in einer durch Themenblöcke strukturierten Form die Fragen, die Sie im Interview stellen wollen. Denken Sie dabei bereits beim Erarbeiten an die verschiedenen "Schubladen", die aufgehen könnten und wie Sie in dem Fall mit diesen umgehen wollen. D.h. konkret: Bereiten Sie sich auf den Unwilligen und den Kurzangebundenen vor, indem Sie viele (Detail-) Fragen parat haben. Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Materie, um dem Sachverständigen und dem Angeber folgen zu können. Markieren Sie sich die Fragen, für die Sie auch bei der Übereifrigen und der Schwatzhaften die Zeit finden müssen. Formulieren Sie Ihre Fragen im Leitfaden möglichst eindeutig und verständlich, um die Schüchterne und die Ahnungslose nicht unnötig zu verschrecken.

 

Im Interview

 

Damit Sie den Interviewpartner gegebenenfalls schon vor Ihrer ersten Frage einordnen und dann angemessen auf ihn reagieren können, sollten Sie beim Erstkontakt darauf achten, wie dieser auf Sie zugeht, wie er sich anderen Personen gegenüber verhält etc. Nehmen Sie sich die Zeit für ein wenig Small-Talk bzw. gehen Sie auf entsprechende Gesprächsangebote Ihres Gegenübers ein, während Sie Ihre für das Interview benötigten Materialien auspacken.

Erläutern Sie dann, bevor Sie mit dem eigentlichen Interview beginnen, noch einmal detailliert die Rahmenfaktoren: D.h. was Sie im Folgenden wie lange, aus welchem Grund, in welcher Form mit dem Interviewpartner vorhaben und geben Sie ihm die Gelegenheit Fragen zu stellen. Kennzeichnen Sie den Beginn des eigentlichen Interviews durch einen überleitenden Satz bzw. das Starten der Audioaufnahme.

Beginnen Sie das Gespräch mit "leichten" Einstiegsfragen, z.B. nach der Position des Gegenübers und den damit verbundenen Hauptaufgaben. Diese Fragen sollten Sie bereits im Kopf haben, um den Blickkontakt halten zu können. Es empfiehlt sich, einen Interviewleitfaden auch über verschiedene Projekte hinweg gleich oder ähnlich anzufangen. Dadurch können Sie zu Beginn jedes Interviews mit etwas Vertrautem starten.

Denken Sie während des Gespräches immer daran, dass es Ihr Ziel ist, eine möglichst angenehme Gesprächsatmosphäre zu schaffen und eine Vertrauensbasis aufzubauen, damit Sie - letztendlich - etwas von Ihrem Interviewpartner lernen können. Sollten Sie dennoch durch eine unangenehme Frage (z.B. "Warum wollen Sie das wissen?") aus dem Konzept gebracht werden, so atmen Sie einmal tief durch und antworten Sie konkret aber nicht zu umfangreich. Wenn der Interviewte eine Frage nicht beantworten möchte (oder kann), dann machen Sie mit der nächsten Frage weiter. Auch wenn Sie sich über den Interviewpartner ärgern sollten, so lassen Sie ihn das nicht spüren: Bleiben Sie professionell und lächeln Sie.

Beenden Sie jedes Interview - egal wie viel (oder wenig) Sie darin lernen konnten - immer damit, dass Sie Ihrem Gesprächspartner Ihren Dank aussprechen: für seine Zeit, sein Vertrauen und die wertvollen Informationen.

 

Nach dem Interview

 

Nach dem Interview ist vor dem Interview: Gehen Sie das Interview noch einmal durch. D.h. überprüfen Sie vor dem nächsten Interview, ob Ihr Vorgehen im letzten Interview geeignet war und passen Sie bei Bedarf den Interviewleitfaden noch einmal an (z.B. indem Sie Fragen hinzufügen oder herausnehmen, die Reihenfolge verändern etc.).

Nehmen Sie sich die Zeit in Ihre eigenen Interviews "hinein zu hören", indem Sie sich - sofern vorhanden - das Audio anhören. Nur so können Sie aus Ihren Erfahrungen lernen.

Wenn Sie die Interviews zu zweit durchführen, dann fragen Sie Ihren Kollegen nach seiner Einschätzung und was Sie gegebenenfalls noch verbessern können. Nehmen Sie sich für Ihr nächstes Interview ausgewählte Kritikpunkte vor und überprüfen Sie danach, ob Sie sich verbessert haben.

 

Zusammenfassung

 

In den inzwischen drei Blog-Beiträgen zum Thema "Interviewpartner in Schubladen" wurden verschiedene Typen von Interviewpartnern und wie man mit ihnen umgeht vorgestellt.
Dabei soll auch abschließend noch einmal darauf hingewiesen werden, dass "Schubladen" mit Vorsicht zu genießen sind und nur "bewusst" angewendet werden sollten. Außerdem sollten Sie im Hinterkopf behalten, dass sich jeder Gesprächspartner vielleicht nur in dieser bestimmten Situation "seiner" Schublade zuordnen lässt und sich sonst, in einem anderen Rahmen vielleicht auch ganz anders verhält. Selbst während des Interviews kann es vorkommen, dass Ihr Interviewpartner auf einmal "die Schublade wechselt". Seien Sie also auf alles vorbereitet!
Bei all diesen Hinweisen und Best Practices ist eines immer wichtig: Bleiben Sie im Interview immer Sie selbst und übertreiben Sie nicht, denn sonst fühlt sich Ihr Gegenüber "verschaukelt".