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Der Große Basar - Wie bunte und blinkende Schrift für Ryanair hohe Zusatzeinnahmen beschert
Seit mehr als 20 Jahren mischt Ryanair den Europäischen Flugmarkt auf. Berühmt wurde Ryanair u.a. dadurch, weil es viele sog. Tabuthemen bricht. Man erinnere sich an die geschickte Marketingkampagne zu Bezahltoiletten im Flugzeug. Auch die Gestaltung der Webseite ryanair.com ("der große Basar") zeigt, dass Ryanair andere Wege als seine Konkurrenz geht.
Vorgeschichte
Ryanair führte als erste große Fluglinie in 2006 eine flächendeckende Gepäckprovisionen ein. Der monetäre Erfolg stellte sich für Ryanair schnell ein. Nahezu alle größeren amerikanischen Fluglinien folgten diesem Beispiel und bitten ihre Reisenden bei aufzugebenen Gepäck zur Kasse. Gepäckprovisionen gehören neben Gebühren für die Sitzplatzwahl, Priority Boarding, Premium-Menüs, Hotels Fahrkarten für Zubringerzüge oder Buse zu den sog. Zusatzeinnahmen. Genau diese Zusatzeinnahmen werden zu einem immer größeren Standbeim für die Fluggesellschaften.
Kommen wir zurück zu ryanair.com. Ryanair.com geht doch relativ geschickt damit um, diese Zusatzeinnahmen zu generieren.
Chaos: Ryanair.com
Subjektiv gesehen wirkt die ryanair.com Seite sehr verspielt, überladen, bunt, billig, "90er-Jahre" und chaotisch. Das ist so gewollt. Ryanair setzt erstens genau auf eine bestimmte emotionale Empfindung, die dem Besucher als erstes in den Sinn kommt. Ryanair suggeriert sinngemäß: "Wir stecken nicht viel in das Design, sondern wollen dem Reisenden durch schlanke Strukturen günstige Flugpreise ermöglichen. Dazu gehört auch eine billig produzierte Webseite." Diese Message wirkt auf viele Menschen.
Oberstes Ziel im E-Commerce: Verkaufen
Wo jede andere Fluggesellschaft versucht, es dem Besucher möglichst einfach zu machen, die eigenen Flüge online zu buchen, erschwert ryanair.com diesen Buchungsprozess. An jeder Stelle und Ecke blinkt Werbung und die überlangen Menü- und Untermenüpunkte sind der Übersichtlichkeit nicht zuträglich. Das muss Ryanair nicht stören, denn die sog. günstigen Flugpreise darf man offiziell nur auf ryanair.com buchen. Auf andere Vertriebskanäle verzichtet das Unternehmen bewusst. Der Reisende hat also keine Wahl. Dieser muss die Webseite ertragen.
Ohne es zu wollen, landet der Besucher bei ryanair.com auf einem riesigen Online-Basar. Hier kann alles gekauft werden: Von SIM-Karten, zu Reiseversicherungen, Mietautos, Bahntickets, Online-Wetten, Hostels, Urlaubsvillen, Kreuzfahrten.
Auf geschickte Art und Weise überträgt die Webseite die Low-Cost-Philosophie der Ryanair auf diese o.g. Zusatzdienstleistungen. Getreu dem Motto: Wenn Hotels schon auf ryanair.com gelistet sind, dann müssen diese auch billig sein.
Für Ryanair ist das ein gutes Geschäft, denn für jede Buchung dieser Leistungen kassiert es Provisionen.
Die Webseite und das Design von ryanair.com erfüllen ihren Zweck. Im Fiskaljahr 2007 erlöste Ryanair pro Passagier etwa EUR 8,50 an Zusatzeinnahmen.
Design-Richtlinien
Welche Empfehlungen gibt ein erfahrener Interaction Designer bei der Gestaltung von E-Commerce Seiten:
- Die Startseite sollte nach unten nicht zu lang sein. Scrollen ist schädlich.
- Statt die Seite vollzupacken, sollten ausreichend leere Flächen zur Verfügung stehen.
- Die Farben und Schriftarten müssen konsistent sein und mit Bedacht ausgewählt werden.
- Der Kontrast zwischen den Texten und dem Hintergrund muss angemessen sein.
- Die Nutzung von animierten Grafiken sollte auf ein Minimum reduziert werden.
Ryanair.com bricht ja nun mit voller Absicht alle diese Regeln. Ganz unrecht hat Ryanair damit nicht. Weltweit beförderte Ryanair in 2008 die meisten Passagiere auf internationalen Flügen. Damit liegt Ryanair weit vor der Lufthansa oder Air France. Fairerweise ist zu erwähnen, dass Southwest Airlines in 2008 fast doppelt so viele Passagiere wie Ryanair beförderte. Da Southwest Airlines grundsätzlich keine internationalen Flüge anbietet, hinkt der Vergleich etwas.
Fazit
Das Beispiel ryanair.com zeigt, dass die Gestaltung einer Webseite den Geschäftszielen des Unternehmen entsprechen müssen. Dazu zählt, dass etablierte Design-Richtlinien anderen Faktoren weichen müssen.
Dieser Blogbeitrag soll nicht suggerieren, dass Design-Richtlinien unwichtig seien - ganz im Gegenteil. Das Design gibt einer Anwendung den sogenannten "Look". Dieser ist wesentlich für die Akzeptanz der Benutzer und somit für den Erfolg einer Seite. Zudem ermögliche diese Design-Richtlinien ein harmonisches Erscheinungsbild sowie Unterstützung der Funktionen und der Orientierung innerhalb einer E-Commerce Seite.
Daneben ist es aber ebenso faszinierend zu beobachten, wie Geschäftserfolg und "schlechtes" Design in Ausnahmefällen - ryanair.com - keine Widersprüche sind.
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